Beinwil Am See - Geschichte

Vereinzelte Funde zeugen von einer Besiedlung während der Hallstattzeit. 1928-31 kamen bei Grabungen Mauerreste eines römischen Gutshofes zum Vorschein, daneben auch ein Ziegelstempel der 21. Legion und Terra Sigillata-Gefässe des späten 2. Jahrhunderts. Die ersten schriftlichen Erwähnungen des Dorfs stammen aus dem 11. Jahrhundert (1045 vineta autem in … Peinuuilare … in Beinwile; 1036 [cop. 14. Jh.] id est Rinacha, Beinwile). Der Ortsname geht zurück auf eine Zusammensetzung aus einem althochdeutschen Personennamen Bāgo oder Beino/Peino und dem bei alamannischen Gründungen häufigen Hinterglied -wīlāri zur Bezeichnung neuer Hofsiedlungen. Im Mittelalter lag das Dorf im Herrschaftsbereich der Grafen von Lenzburg, ab 1173 in jenem der Grafen von Kyburg. Nachdem diese ausgestorben waren, wurden die Habsburger im Jahr 1264 die neuen Landesherren. Im Namen dieser Adelshäuser herrschten die erstmals 1153 erwähnten Herren von Beinwil über das Dorf. Das Geschlecht besass lediglich lokale Bedeutung und starb Mitte des 14. Jahrhunderts aus, der Standort ihrer Burg lässt sich nicht mehr genau feststellen. 1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau; Beinwil gehörte nun zum Untertanengebiet der Stadt Bern, dem so genannten Berner Aargau. Die Berner waren zunächst aber lediglich im Besitz der hohen Gerichtsbarkeit. Die niedere Gerichtsbarkeit war um 1300 zunächst an die Truchsessen von Wolhusen gelangt, im Jahr 1501 an das Chorherrenstift Beromünster. Schliesslich wurde sie 1520 durch Bern käuflich erworben, woraufhin Beinwil einen eigenen Gerichtsbezirk innerhalb des Amtes Lenzburg bildete. Zehnten und Bodenzinsen mussten aber grösstenteils weiterhin an Beromünster entrichtet werden, selbst nach Einführung der Reformation im Jahr 1528. Im März 1798 befreite sich die Bevölkerung mit Hilfe der einmarschierten französischen Truppen vom Joch der «Gnädigen Herren» von Bern, woraufhin die Franzosen die Helvetische Republik ausriefen. Beinwil gehört seither zum damals gegründeten Kanton Aargau. Zwar hatte sich die Verarbeitung von Baumwolle bereits im 18. Jahrhundert etabliert, doch erst mit der Gründung der ersten Zigarrenfabrik im Jahr 1841 begann der wirtschaftliche Aufschwung. Am 3. September 1883 erhielt die Gemeinde einen Anschluss ans Eisenbahnnetz, als das erste Teilstück der Seetalbahn zwischen Luzern und Beinwil am See eröffnet wurde; die Verlängerung nach Lenzburg folgte am 15. Oktober desselben Jahres. Am 23. Januar 1887 nahm die Zweigstrecke nach Reinach den Betrieb auf; diese wurde am 1. Oktober 1906 bis Beromünster verlängert. Zeitweise gab es im Dorf nicht weniger als zwanzig Zigarrenfabriken, doch im Verlaufe des 20. Jahrhunderts wurde die Tabakindustrie allmählich durch andere Branchen verdrängt. 1950 ersetzte die Gemeinde die bisherige Bezeichnung Beinwil (Bezirk Kulm) durch Beinwil am See.


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