Heimattreue Deutsche Jugend - Einfluss Auf Die Rechtsextreme Szene

Die geringe Mitgliederzahl täuscht über den tatsächlichen Einfluss, den die Organisation im rechtsextremen Umfeld entfaltete, hinweg. Neben den hunderten Jugendlichen, die hier geschult wurden, war die Organisation im rechtsextremen Spektrum gut vernetzt.

„Märkischer Kulturtag“

Die HDJ veranstaltete seit 2001 in Zusammenarbeit mit den neonazistischen Gruppen Gemeinschaft Deutscher Frauen (GDF) und Berliner Kulturgemeinschaft Preußen (BKP) den „Märkischen Kulturtag“, eine konspirativ organisierte Veranstaltung in Brandenburg mit bis zu 250 Besuchern. Als Referenten traten bekannte Personen aus dem gesamten rechtsextremen Spektrum auf, so z. B. die Geschichtsrevisionisten und Holocaustleugner Udo Walendy und Jürgen Rieger, der ideologische Vordenker der Wiking-Jugend Herbert Schweiger und der ehemalige Wiking-Jugend-Bundesführer Wolfram Nahrath sowie NPD-Funktionäre wie Ralph Tegethoff oder Udo Pastörs.

Wiking-Jugend

Deutliche personelle Kontinuitäten bestanden zur 1994 verbotenen Wiking-Jugend (WJ). Der letzte HDJ-Bundesführer Sebastian Räbiger war auch der letzte WJ-Gauführer für Sachsen. Deren ehemaliger Bundesführer Wolfram Nahrath wiederum war Mitglied und häufig Referent bei Veranstaltungen der HDJ. Auch weitere ehemalige Führungskader der WJ waren in der HDJ aktiv, so beispielsweise der Verantwortliche der WJ für den Gau Niedersachsen Manfred Börm oder der WJ-Gauführer Franken Dirk Nahrath. Direkte programmatische Bezüge zur Wiking-Jugend vermied die HDJ, um ein Verbot als Nachfolgeorganisation der WJ zu vermeiden. Die Wesensverwandtschaft zur WJ sowie auch zu deren Vorbild, der Hitler-Jugend (HJ), war jedoch offensichtlich. So wurden beim Verbot der WJ unter anderem die Ähnlichkeit zwischen der Amtsbezeichnung HJ-Reichsführer und WJ-Bundesführer und die Bezeichnung Gaue für die Regionaleinheiten als Begründung angeführt. Sowohl die Bezeichnungen Bundesführer und Bundesmädelführerin als auch die Bezeichnung der Gaue in internen Einladungen wurden ebenso in der HDJ verwendet. Noch deutlicher zeigte sich der Bezug zum Nationalsozialismus, als bei einem Lager der HDJ im August 2006 nahe Frommhausen bei Detmold Zelte die Aufschriften „Führerbunker“ und „Germania“ trugen. Die HDJ bemühte sich um die juristische Erlaubnis, die Odalrune wieder zu benutzen, und begründete dies mit dem Charakter der HDJ als Nachfolger der BHJ. Die Odalrune wurde neben der BHJ auch von der Wiking-Jugend verwendet und ihre Nutzung nach deren Verbot untersagt. Optische Übereinstimmungen zeigte auch das Freizeithemd der HDJ, das den gleichen Aufdruck eines Adlers wie das Freizeithemd der WJ trug, bei dem lediglich die Organisationsnamen ausgetauscht wurden.

NPD und JN

Zwischen der HDJ und der NPD/JN bestanden sowohl personelle als auch strukturelle Verbindungen. Das wohl bekannteste Mitglied der HDJ-Einheit Mecklenburg und Pommern war der NPD-Landtagsabgeordnete Tino Müller. An einem gemeinsamen Treffen der HDJ mit dem Nordischen Hilfswerk, einer der wichtigsten neonazistischen Organisationen in Skandinavien, das im Juli 2006 in Schweden stattfand, nahmen neben dem Kameradschaftsführer Lutz Giesen auch der NPD-Landtagskandidat und Führungskader der „Mecklenburgischen Aktionsfront“ David Petereit teil. Angehörige der HDJ beteiligten sich im Sommer 2006 am Wahlkampf der NPD bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern.In der Einheit Preußen, der ältesten regionalen Einheit der HDJ, die bereits zur Zeiten der DHJ gegründet worden war, waren die NPD-Bundesvorstandsmitglieder Jörg Hähnel und Stella Palau aktiv. Ein weiteres Bundesvorstandsmitglied der NPD in den Reihen der HDJ war Manfred Börm. Neben ihnen nahmen auch weitere NPD-Führungskräfte und Mitglieder regelmäßig an Treffen und Veranstaltungen der HDJ teil, so an einem nach Albert Leo Schlageter benannten Fußballturnier oder einem weiteren Fußballpokal in Berlin, der nach dem Hitler-Jungen Herbert Norkus benannt war und ursprünglich von der Wiking-Jugend organisiert wurde. Die HDJ wiederum trat regelmäßig auf Veranstaltungen der NPD auf, so z. B. bei dem alljährlichen „Trauermarsch“ anlässlich der Bombardierung Dresdens, wo sie sich auch am Ordnerdienst beteiligten, beim Pressefest der Deutschen Stimme, bei dem 2006 in Dresden der Fanfarenzug und eine Tanzgruppe der HDJ auftraten, oder Saalveranstaltungen von NPD und JN, bei denen die HDJ mit Infoständen vertreten war.

Weitere Kontakte

Eine langjährige Zusammenarbeit und personelle Verflechtung bestand zwischen der HDJ und der Deutschen Kulturgemeinschaft (DKG) und den mit dieser eng verbundenen Organisationen Freundeskreis Ulrich von Hutten e. V. und Notgemeinschaft für Volkstum und Kultur. Ebenso bestanden Kontakte zur rechtsextremen Deutschen Partei – Die Freiheitlichen.Die HDJ unterhielt über Deutschland hinaus Kontakte zu rechtsextremen Organisationen in Europa. So beteiligten sich Vertreter der Organisation an einem Treffen mit dem Nordischen Hilfswerk und Nordiska Förbundet in Schweden, dem rechtsextremen Vlaams Nationaal Jeugdverbond (VNJ) in Belgien oder dem von dem Bund freier Jugend organisierten „Tag der volkstreuen Jugend“ in Österreich. Im Falle der Liquidation sollte das Vereinsvermögen der Satzung zufolge entweder an die „Stille Hilfe für Südtirol“ oder an die „Deutschen Freundeskreise in Ostdeutschland“ fallen, zwei Vereinigungen der deutschen Minderheit in Italien bzw. Polen. Personelle Verbindungen bestehen zur „Interessengemeinschaft Fahrt und Lager“ der JN, die teilweise als Nachfolgeorganisation angesehen wird.


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