Jesus-seminar - Kritik

Das Jesus-Seminar wurde wegen seiner Methode, seinen Annahmen und seinen Schlussfolgerungen kritisiert. Die Kritik kommt aus einem weiten Spektrum von Wissenschaftlern und Laien. Von wissenschaftlicher Seite haben sich v. a. Richard B. Hays, Ben Witherington, Greg Boyd, N.T. Wright, William Lane Craig, Luke Timothy Johnson, Craig A. Evans, Craig Blomberg, Darrell Bock und Edwin Yamauchi kritisch geäußert. In den USA gibt es Stimmen, die das Seminar wegen seiner politischen Ausrichtung als zu weit links stehend kritisieren oder als „extrem liberales“ Spektrum der Theologie bezeichnen. So bezeichnet Professor Gregory A. Boyd vom Bethel College (Kansas) das Jesus-Seminar als „extrem kleine Zahl extremer Wissenschaftler […], die am äußersten linken Flügel neutestamentlichen Denkens stehen.“ Ein scharfer Kritiker ist William Lane Craig, der im Buch Will the Real Jesus Please Stand Up? („Kann der echte Jesus bitte einmal aufstehen?“) mit John Dominic Crossan, einem prominenten Mitbegründer des Seminars, debattiert. Der katholische Bibelhistoriker John P. Meier, der sich seit Beginn der 1990er Jahre der Erforschung des historischen Jesus widmet und dessen auf fünf Bände angelegte Serie A Marginal Jew über konfessionelle und religiöse Grenzen hinweg als grundlegendes neueres Werk der historischen Jesusforschung anerkannt ist, kritisiert neben dem populären Show-Charakter des Jesus-Seminars und der Anmaßung, wissenschaftliche Wahrheit durch Abstimmungen messen zu wollen, inhaltlich vor allem die Tendenz zu einer Hellenisierung der Gestalt Jesu, die ihn als Juden des ersten Jahrhunderts nicht ausreichend ernst nehme und in einen unhistorischen Gegensatz zum zeitgenössischen Judentum stelle, was etwa seine Haltung zu den jüdischen Reinheitsgeboten angehe. „Der historische Jesus ist der halachische Jesus. Eine Rekonstruktion des historischen Jesus, welcher die ernsthafte halachische Dimension fehlt, ist ipso facto nicht der historische Jesus.“ Der Neutestamentler Wolfgang Stegemann kritisiert das Jesus-Seminar als Neuauflage liberaler Hermeneutik, wegen seines Festhaltens am doppelten Differenzkriterium, seiner Bevorzugung apokrypher Texte und seine Sonderthesen, etwa die kynischer Einflüsse auf die Jesusbewegung.


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