Marschiertor - Geschichte

Das Marschiertor gehörte, wie das andere heute noch erhaltene Tor, das Ponttor, zu den vier Haupttoren (Ponttor, Kölntor, Marschiertor und Jakobstor) des vom 14. bis zum 15. Jahrhundert errichteten zweiten Stadtbefestigungsrings Aachens, der sogenannten Gotische Mauer, als deren südlichster Punkt. Es steht am Ende der Franzstraße und am Anfang der ehemaligen Landstraße nach Burtscheid, die am Burtscheider Obertor (niedergelegt im August 1865) endet. Von „Burtscheid“ rühren auch die Namen Marschier, Mieschiers oder Berseter, die allesamt verschliffene Formen von Burtscheid, Porcetum (lateinischer Name Burtscheids) bzw. der Platt-Variante sind. Das Marschiertor war Hauptwaffenplatz. Die ehemals elf Stadttore der damaligen Freien Reichsstadt Aachen wurden von den Freihen Reichsstädtischen Stadtsoldaten und Stadtmilizen bewacht. Im Volksmund wurden die Soldaten Pennsoldaten genannt, was von deren Nebenbeschäftigung, dem Schnitzen dünner Holzstifte (Penn) zur Schuhbesohlung, herrührte. Über die Jahrhunderte erfuhr das Tor nicht nur Besetzungen und Belagerungen unterschiedlicher Soldatengruppen, sondern war auch zeitweise Rumpelkammer, Obdachlosenunterkunft, Jugendherberge und schließlich HJ-Heim. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Marschiertor am 14. Juli 1943 durch Brandbomben erheblich beschädigt und zunächst nur provisorisch – ohne das charakteristische Steildach – wiederhergestellt. Erst im Jahr 1957 konnte mit der Rekonstruktion des Walmdaches begonnen werden, ermöglicht durch eine Spende der Aachener und Münchener Feuer-Versicherungsgesellschaft. Seit 1959 befindet sich das Marschiertor wieder in einem vollständig rekonstruierten Zustand – mit dem charakteristischen Walmdach. 1964 überließ die Stadt Aachen das Gebäude der Obhut der Karnevalsgesellschaft Stadtgarde „Oecher Penn von 1857 e. V.“, die es mit einem Einsatz von etwa 5000 Arbeitsstunden durch Vereinsmitglieder sowie mehr als einer halben Million Euro an finanziellem Aufwand durch Spenden wieder herrichteten und zu ihrem „Hauptquartier“ machten. Heute bietet der große Waffensaal Platz für 200 Gäste und einen historischen Rahmen für die Vereinsaktivitäten. Daneben finden sich im Tor auch Archivräume, das einstige Kommandanturzimmer, ein Weinkeller, den Schankraum und die Kleiderkammer.


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