Preußisch-russischer Allianzvertrag (1762) - Politische Rahmenbedingungen

Die Eroberungspolitik Friedrichs des Großen hatte das europäische Gleichgewicht gefährdet. Russische Berater der Kaiserin Elisabeth befürchteten die Entfesslung eines großen europäischen Krieges durch Preußen auch in unmittelbarer Nähe zum russischen Territorium. Russische Diplomaten suchten sich für diesen Fall in Europa abzusichern. Nach einem gescheiterten Ansatz für eine britisch-russisch-preußische Koalition, der auch auf englischem Betreiben der Wiener Hof beitreten sollte, verbündete sich im März 1756 Russlands Kaiserin Elisabeth mit der Habsburgerin Maria Theresia in einen gegen Preußen gerichteten Offensiv- und Defensivvertrag. Die Habsburgermonarchie hatte zuvor eine Allianz mit Versailles eingegangen (Umkehr der Bündnissysteme). Dies bedeutete für den preußischen König die Gefahr einer Einkreisung durch die drei europäischen Großmächte. Im August 1756 eröffnete Friedrich II. die Feindseligkeiten, der Siebenjährige Krieg nahm damit seinen Anfang. Die Lage des Preußenkönigs verschlimmerte sich von Monat zu Monat. Da starb am 5. Januar 1762 die Kaiserin Elisabeth. Ihr Neffe, Peter III., trat sofort die Regierung an. Während der Thronwechsel in Petersburg bei den Dänen die größte Bestürzung und die schlimmsten Befürchtungen hervorrief, begrüßte Friedrich der Große diese Botschaft mit unverhohlener Freude, zumal Peter III. bereits als Großfürst seine Vorliebe für alles Preußische bekundete. Den Streit des Gottorfischen und des königlichen Hauses in Holstein durch einen Tauschvertrag zwischen Peter und Dänemark zu begleichen scheiterte bereits zu Lebzeiten der Kaiserin Elisabeth. Im Juli 1761 erklärte Peter, das er die dänischen Vorschläge ablehne und auf seinen Anrechten besteht. Seitdem bereitete sich der dänische König Friedrich V. auf den Krieg vor. Kurz nach Antritt der Regierung machte Peter III. deutlich, dass er unverzüglich den Krieg gegen Dänemark um Holstein beginnen wird. Friedrich II. entsandte den Oberst Wilhelm Bernhard von der Goltz nach Sankt Petersburg und ermächtigte ihn, die Garantie Preußens für die Besitznahme Holsteins durch Peter und die Neutralität für den Fall eines dänisch-russischen Krieges anzubieten. Mit offenen Armen wurde von der Goltz am kaiserlich-russischen Hof empfangen. Die Verhandlungen verliefen zügig, am 5. Mai wurde in Sankt Petersburg der Frieden zwischen den beiden Staaten unterzeichnet.


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