Sebastian Sylvester - Werdegang

Amateur

Von 1990 bis 2002 boxte Sebastian Sylvester, trainiert von Horst Femfert, als Amateur für den BSV Greifswald und verbuchte 76 Siege und 19 Niederlagen. Er war 1998 und 1999 Deutscher Juniorenmeister. 1998 nahm er an den Juniorenweltmeisterschaften in Buenos Aires teil, unterlag jedoch in der Halbmittelgewichtsklasse schon im ersten Kampf.

Profikarriere

Im Jahr 2002 wechselte Sebastian Sylvester in das Profilager zum kleinen Berliner Wiking-Boxteam. Trainiert wurde er von Hartmut Schröder. Sein Profidebüt im Mai 2002 verlor er jedoch durch K.o. in der ersten Runde. 2003 wurde er Internationaler Deutscher Meister sowie 2004 Deutscher Meister. Er verteidigte diese Titel jeweils zweimal, unter anderem durch einen vorzeitigen Sieg über Dirk Dzemski. Seit September 2004 stand der gelernte Trockenbauer in Co-Promotion auch beim Boxstall von Wilfried Sauerland unter Vertrag. Am 16. Juli 2005 wurde Sebastian Sylvester erstmals Europameister im Mittelgewicht. Seit Gustav Scholz (1958–1959) war es in mehr als 45 Jahren keinem Deutschen mehr gelungen, die Europameisterschaft in dieser Gewichtsklasse zu gewinnen. Er errang den Titel in Nürnberg gegen Morrade Hakkar aus Frankreich und verteidigte ihn gegen den Italiener Lorenzo di Giacomo, jeweils nach Punkten. Den Briten Steve Bendall, Ersatzgegner für den offiziell erkrankten Dzemski, konnte Sylvester bei seiner nächsten Titelverteidigung durch technischen K.o. in der dritten Runde schlagen. Am 3. Juni 2006 verlor er den Titel jedoch nach einer Niederlage durch technischen KO in der achten Runde an den ungeschlagenen Finnen Amin Asikainen. Nach drei Siegen in Aufbaukämpfen kam es am 23. Juni 2007 zum Rückkampf gegen Asikainen. Sylvester konnte den Europameistertitel im Mittelgewicht zurückerobern, indem er den Finnen in einem kontroversen Kampf in der elften Runden durch technischen K.o. besiegte. In seiner dritten Titelverteidigung schlug er am 12. April 2008 in Neubrandenburg den 40-jährigen spanischen Ex-Weltmeister Javier Castillejo durch KO in der zwölften Runde und errang dadurch den ersten Platz in der WBA-Weltrangliste. Damit qualifizierte sich Sylvester für einen Weltmeisterschaftskampf gegen den beim Konkurrenzboxstall Universum Box-Promotion unter Vertrag stehenden Felix Sturm. Sylvester legte dann den EM-Titel nieder, um am 1. November 2008 in Oberhausen gegen Sturm um die WBA-Weltmeisterschaft zu boxen. Er verlor den Kampf klar über zwölf Runden nach Punkten. Nach der Niederlage trennte sich Sylvester im Januar 2009 vom Wiking-Boxteam und wechselte vollständig zum Sauerland-Boxstall, der seitdem zusätzlich zur Promotion seiner Kämpfe auch sein Management übernahm. Da sein ehemaliger Trainer Hartmut Schröder ein Angebot, ebenfalls zu Sauerland zu wechseln nicht annahm, wurde der seit November 2008 bei Sauerland angestellte Karsten Röwer sein neuer Trainer. Seinen ersten Kampf für Sauerland gewann er am 28. Februar 2009 durch K.o. in der siebten Runde gegen den Italiener Gaetano Nespro. In seinem nächsten Kampf am 27. Juni 2009 besiegte er den US-Amerikaner Lajuan Simon, der zuvor Gegner von Arthur Abraham war, durch eine einstimmige Punktentscheidung (116:112; 115:113; 117:111). Damit erkämpfte er sich den zweiten Platz auf der IBF-Weltrangliste. Da der amtierende IBF-Mittelgewichtsweltmeister Arthur Abraham jedoch im Juli 2009 den IBF-Titel niederlegte und in das Supermittelgewicht wechselte, bekam Sylvester die Chance, zum zweiten Mal um einen Weltmeisterschaftsgürtel zu boxen. Am 19. September 2009 traf Sylvester in seinem dritten Kampf im Neubrandenburger Jahnsportforum auf die Nummer eins der IBF-Rangliste, Giovanni Lorenzo aus der Dominikanischen Republik, und sicherte sich den IBF-Gürtel durch einen Punktsieg über zwölf Runden (111-116; 116-112; 115-113). Seine erste, freiwillige, Titelverteidigung bestritt Sylvester am 30. Januar 2010 wiederum in Neubrandenburg. Gegner sollte zunächst der Spanier Pablo Navascues werden, da dieser jedoch eine Woche vor dem Kampftermin bei einer Dopingkontrolle positiv getestet wurde, verpflichtete man den US-Amerikaner Billy Lyell kurzfristig als Ersatzgegner. Sylvester bezwang Lyell souverän durch technischen K.o. in der zehnten Runde, nachdem dessen Trainer Jack Loew das Handtuch warf. Die erste Pflichtverteidigung des IBF-Titels bestritt Sylvester am 5. Juni 2010 gegen den 37-jährigen Russen Roman Karmasin, ein ehemaliger Weltmeister im Halbmittelgewicht. Der Kampf ging über die volle Distanz von zwölf Runden und wurde unentschieden gewertet, wodurch Sylvester weiterhin IBF-Weltmeister blieb. Die Punktwertung galt als umstritten, da die Wertungen der US-amerikanischen Punktrichter Matthew Podgorski (117:111 für Karmasin) und John Lawson (118:111 für Sylvester) stark divergierten. Während der Auszählung der Punktezettel kam es am Ring zu Tumulten, ausgelöst durch ein Stabmitglied des Russen, der versuchte, den Punktzettel des Kanadiers Pasqual Procopio zu entwenden und zu fotografieren. Procopio hatte den Kampf zunächst 114:113 für Karmasin gewertet, was den Sieg des Russen bedeutet hätte. Da diese Wertung aber einer Runde mit einer Punktverteilung von 10:10 (unentschieden) beinhaltete, was laut den Regeln der IBF nicht zulässig ist, wurde die Wertung dieser Runde nachträglich zu einer 10:9 Wertung zugunsten Sylvesters abgeändert. Das daraus resultierende Gesamtergebnis der Wertung Procopios (114:114) führte zu einem Unentschieden und ermöglichte Sylvester die Titelverteidigung.In der darauf folgenden freiwilligen Titelverteidigung besiegte er im Oktober 2010 den Deutsch-Türken Mahir Oral. Obwohl Sylvester infolge eines Kopfstoßes bereits in der zweiten Runde eine stark blutenden Platzwunde erlitt, dominierte er den Kampf deutlich und siegte letztlich einstimmig nach Punkten. Oral musste zudem in der achten, neunten und elften Runde nach Körpertreffern zu Boden gehen und angezählt werden. Danach war für den 22. Januar 2011 gegen Mehdi Bouadla eine weitere freiwillige Titelverteidigung geplant, die Sylvester allerdings wenige Tage vor Kampftermin wegen einer Viruserkrankung absagte. Anschließend musste er eine Pflichtverteidigung des IBF-Titels gegen den Australier Daniel Geale absolvieren. Geale hatte sich zuvor das Herausforderungsrecht mit einem K.o.-Sieg in einem Ausscheidungskampf gegen Roman Karmasin gesichert. Der Kampf fand am 8. Mai 2011 in Neubrandenburg statt und Sylvester verlor nach Punkten. Es folgte ein Kampf um die vakante EBU-Europameisterschaft gegen den Polen Grzegorz Proksa am 1. Oktober 2011, der ebenfalls in Neubrandenburg stattfand. Sylvester war gegen den ungeschlagenen Rechtsausleger chancenlos, zog sich frühzeitig durch Schlagwirkung eine stark blutende Platzwunde über dem rechte Auge zu und gab den Kampf nach der dritten Runde schließlich auf. Im März 2012 beendete er dann seine Karriere als aktiver Boxer.


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