St. Albani (Göttingen) - Ausstattung

Altar

Kostbarster Schatz der Kirche ist der Flügelaltar, der 1499 von Hans von Geismar erschaffen wurde. Die jetzigen Tafeln des Altars haben eine abenteuerliche Irrfahrt mitgemacht. 1857 wurde die Kirche renoviert und der restaurierungsbedürftige Altar für den Trödler bestimmt. Der Göttinger Student Hubert von Arnswald kaufte die Altartafeln für 1 Taler das Stück dem Küster ab. So gelangten sie teils auf das pommersche Familiengut der von Arnswaldt, teils ins Rostocker Museum. Die Figuren der ehemaligen Festtagsseite gingen verloren. 1907 konnten die bemalten Altartafeln für 1.000 Reichsmark von der Stadt Göttingen zurückgekauft werden. Sie kamen in das Städtische Museum. Erst 1931 sind die Altartafeln als Leihgabe des Museums wieder an den alten Platz in der Kirche zurückgekehrt. Die einzelnen Bildtafeln waren für den privaten Gebrauch voneinander getrennt und sogar in Längsrichtung gespalten worden, damit sie getrennt voneinander an Wänden aufgehängt werden konnten. Bei der Zusammenfügung der Tafeln zu einem Altaraufsatz wurden die Tafeln der ehemaligen Werktagsseite nicht wieder auf der Rückseite der äußeren Flügel der Sonntagsseite angeordnet, sondern leicht angewinkelt an deren Außenseite, sodass nun ein gleichzeitiger Anblick der ehemaligen Sonntags- und Werktagsseite möglich ist. Dadurch ist allerdings die Möglichkeit der Nutzung als Wandelaltar verloren gegangen. Beim Zusammensetzen wurde die Bilder der Beschneidung und des Marientodes vertauscht. Die äußeren Tafeln, die früher die Werktagsseite bildeten, zeigen jeweils ein hochformatiges Gemälde: links das Martyrium des Heiligen Alban von Mainz, rechts das Jüngstes Gericht. Die Tafeln der ehemaligen Sonntagsseite zeigen in acht Bildern Szenen aus dem Marienleben. Von links nach rechts, sind in der oberen Reihe zu sehen: Marias Tempelgang, Mariä Verkündigung, Mariä Heimsuchung und die Geburt Christi. Die untere Reihe zeigt von links nach rechts: Tod der Maria (ursprünglich an dieser Stelle die Beschneidung Jesu), Anbetung der Könige, Darstellung des Herrn und die Beschneidung Jesu (ursprünglich an dieser Stelle der Marientod). Bei der Restaurierung des Altars 1961 entdeckte der Restaurator Kurt Manning auf der Altartafel Tod der Maria dreizehn trauernde Apostel. Der dreizehnte Apostel ohne Heiligenschein, der einem anderen über die Schulter guckt, ist höchstwahrscheinlich ein Selbstbildnis vom Schöpfer des Altars, Hans von Geismar.

Weitere Ausstattung

Neben dem Altar beherbergt die Kirche noch ein Votivkreuz von 1342, das die älteste Inschrift der Stadt in deutscher Sprache trägt. Es wurde früher als Turmkreuz genutzt und später zur Sicherheit durch eine Replik ersetzt. Die Kanzel entstammt der Epoche der Neugotik und wurde vermutlich in den 1960er Jahren umgestaltet. Der Taufstein ist modern. Im Chor finden sich zudem drei reliefartig gestaltete und polychrom gefasste Schlusssteine. Sie zeigen von Westen nach Osten: Pelikan, Phönix und ein Agnus Dei mit Siegesfahne. Die Seccomalerei im Gewölbe zeigt vor allem Blumenmotive wie Lilien und Ranken aber auch andere Motive wie die Evangelistensymbole oder die Himmelfahrt des Kirchenpatrons Alban. In das Hauptschiffgewölbe sind zudem zwei sog. Heiliggeistlöcher eingefügt, aus denen zu Pfingsten eine plastische Heiliggeisttaube hinabgelassen wurde.

Orgel

Paul Ott baute 1964 eine neue Orgel mit 36 Registern, verteilt auf drei Manualen und Pedal. Sein Schüler Rudolf Janke führte 1990 einen Renovierungsumbau durch.

Glocken

Die drei Glocken in den Tönen es1, f1 und as1 wurden 1951 von der Firma Weule in Bockenem als Ersatz für die in den Weltkriegen eingeschmolzenen Bronzeglocken gegossen. Da die Gemeinde nicht genug Geld hatte, konnten nur sog. Klanggussglocken angeschafft werden. Solche haben den Nachteil, dass sie rosten und somit irgendwann nicht mehr zu gebrauchen sind. Ein solches Schicksal steht auch diesen Glocken bevor. Sie sollten deshalb im Oktober 2017 durch vier Bronzeglocken mit den Schlagtönen b0, c1, es1 und g1 ersetzt werden, die im April desselben Jahres von der Gießerei Petit & Gebr. Edelbrock gegossen wurden. Ende September 2017 wurde bekannt, dass mindestens zwei der neuen Glocken erhebliche Gussfehler aufweisen und deshalb neu gegossen werden.


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